Die beste Pizza der Welt – ein Glaubensbekenntnis


Pizza ist wie Religion. Die einen nehmen‘s nicht so genau damit, die anderen huldigen nur dem wahren Messias. Auch wenn ich im geistigen Leben überzeugte Atheistin bin - in kulinarischen Dingen ticke ich anders: Ja, ich glaube an die wahre Pizza, an die Dreieinigkeit von fluffiger Knusprigkeit, originären Zutaten und sparsamer Belegung. Wahrscheinlich bin ich versaut aus Italien, wo ich eine Zeitlang gelebt habe. Und in Deutschland ist es in der Tat nicht einfach, eine Pizza zu bekommen, die dem für deutsche Gaumen schon fabulösen Standard einer italienischen Pizza-to-go Bude entsprochen hätte. Seufz. Ok, ein bisschen übertrieben. Aber richtig ist: die beste Pizza, die ich in Deutschland gegessen habe, hatte es immer noch schwer im Vergleich zum Original aus Italien. Isso! Liebe Pizzeria-Betreiber, liebe Selbstbäcker: Nicht alle Deutschen sind Pizza-Amateure! Und warum etwas mittelmäßig machen, wenn es auch besser geht? Züchtet euch Jünger heran, die zu euch und nur zu euch pilgern, um die einzige wahre superleckere Pizza zu genießen. Und diese ist nun mal ein Produkt millionenfach bewährter Grundsätze:


Gebot 1: Du sollst nicht labbrig sein!

Weniger ist mehr. Das gilt auch für Pizza. Weichen Hefeteigstücken, belegt mit dem doppelten Eigengewicht in Form von sehr flüssiger Tomatensoße plus Thunfischhumpen unter filzigen Käsekapuzen z.B. sollte man die Lizenz zum Tragen der Bezeichnung „Pizza“ entziehen. Matschpamp oder irgendwas mit -Kuchen wäre ja ok. Aber nicht Pizza. Das klingt doch schon nach knusprig! Der Teig soll 24 Stunden gegangen sein, eine kleine, elastisch-feste Kugel, die gründlich dünn gewirbelt, gezogen oder gerollt und nur sparsam belegt wird. So kann der Teig beim Kontakt mit der Hitze des Ofens noch aufgehen, einen Rand mit Luftblasen bilden und wird auch in der Mitte nicht innerhalb von 10 Sekunden durchweichen.


Gebot 2: Du darfst dich nur mit Mozzarella bedecken!

Gouda auf Pizza? Egal? No no no! Die Käse-Frage wird sträflich unterbewertet. Mozzarella entwickelt im Kontakt mit der Ofenhitze ein ganz besonderes, frisches Aroma und eine dezent schmackhafte Kruste. Und auch der Duft passt zu dieser Basiszutat, die sich in perfekter Harmonie zur Tomatengrundnote fügt. Zutaten wie Salame piccante, Tonno oder Frutti di mare können ihren originären Geschmack mit zarter Untermalung entfalten. Und mediterrane Gemüse wie Zucchini, Auberginen oder Artischocken bilden mit Mozzarella eine Einheit auf Augenhöhe. Unvergleichlich.

Gouda, Emmenthaler und Co. sind viel zu würzig und dominant für die klassischen Pizza-Kombinationen und verbreiten eher den Duft von amerikanischen Fast-Food-Ketten. No go!


Gebot 3: Du sollst dich nicht überladen!

Wie auch im wahren Leben kommt es bei der Pizza auf die Dosierung an. Was nützt mir der perfekte Teig, wenn ich ihn mit viel zu schweren, feuchten Zutaten erschlage und ins Schicksal des Durchweichens und der geschmacklichen Unwucht verbanne? So muss die fein-würzige Tomatensoße gründlich reduziert sein und darf nicht suppen. Mozzarella ist von Natur aus feucht, also muss er vor der Verarbeitung trockengetupft werden und darf nur in ein paar gut platzierten Fetzen aufgebracht werden. Pilze sollten hauchdünn geschnitten und sparsam ganz oben drauf gelegt werden. Denn Pilze schwitzen viel Nässe aus – große Matschgefahr! Und so ähnlich verhält es sich mit anderen Belagen – immer hübsch sparsam einsetzen und dem Feuchtigkeitsgehalt Rechnung tragen. Und wenn dir ein bisschen Geschmack fehlt: Tröpfele gut geknofeltes Olivenöl, gerne auch mit Chili, über dein knuspriges, noch ofenheißes Luder.



Hmmm.

Eine Offenbarung!