Rosalie soll leben

Schnelles Upcycling für Wende-Bettwäsche


Upcycling ist eine tolle Möglichkeit, einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten und macht einfach Spaß. Alten Sachen neues Leben einzuhauchen, ist aber nicht nur eine Top-Alternative zum Wegwerfreflex, sondern auch echte Bereicherung: Neue kleinere und größere Haushaltsgegenstände bringen eine frische, unerwartete Optik in die Bude und vielleicht sogar in Klamottenform an den eigenen Körper. Hübsche, individuelle Geschenke erfreuen Freunde, Familie und Portemonnaie.

Wenn mir ein schöner alter Stoff in die Hände fällt, dessen Primärbestimmung Geschichte ist, hebe ich ihn meist auf und prüfe ihn beim nächsten anstehenden Projekt auf Tauglichkeit. Manchmal ist es aber auch so, dass mich ein Stoff mit seinem Charme quasi überrumpelt und mich nach Projekten grübeln lässt, nur damit ich ihn verwerten kann. Und so war es auch bei Rosalie...


Neulich kam eine Freundin mit einen alten Bettbezug vorbei und fragte mich, ob ich den haben möchte. Es war der Wende-Bettbezug Rosalie von Ikea. Trotz (oder gerade wegen?) der verwaschenen Optik war es Liebe auf den ersten Blick. So stürzte ich mich spontan in einen kleinen Nähmarathon, beseelt von der Idee, aus diesem feinen Stoff ein paar hübsche kleine Projekte zu realisieren.

Der große Pluspunkt: Rosalie ist eine Wende-Bettwäsche mit zwei sehr unterschiedlichen, aber perfekt harmonierenden Seiten

Und gerade das wollte ich in meinen Nähprojekten nutzen. Ich wollte ebenfalls wendefähige Sachen nähen und dabei möglichst die vorhandenen Nähte und die verstärkte Knopfleiste nutzen. Bei mir muss es meist schnell gehen, und ich bin ein Freund von einfachen Pi-mal-Daumen- oder Copy+Paste-Nähereien, ohne stundenlanges Gefummel und komplizierte Schnittmuster. Und so sind diese vier Projekte entstanden. Sie sind so einfach, dass jeder, der minimale Näherfahrung hat, keine großartigen Anleitungen braucht. Deshalb hier in Kurzform:


Wende-Stoffbeutel


Hier habe ich die Knopfleiste als Tragehenkel genutzt (Knopfleiste plus 4 cm ausschneiden, die Nahtzugabe einklappen und feststeppen). Die Beutelgröße habe ich nach Augenmaß bestimmt. Man kann auch einen vorhandenen Beutel als Muster nehmen. Dann aber etwas verlängern, falls man einen Boden haben möchte! Von jeder Musterseite zwei Teile zuschneiden und jeweils drei Seiten nähen. Um Volumen in den Beutel zu bekommen, habe ich den einfachen Dreieck-weg-Trick angewandt: Nach dem Absteppen der Seitennähte die Ecke nehmen, den Stoff verschieben, bis die Seitennähte aufeinanderliegen, feststecken, eine Ecke abmessen (ca. 5 cm von der Spitze), absteppen und abschneiden. Damit beide Stoffseiten ohne sichtbare Nähte sind, die beiden Beutel einzeln je rechts auf rechts nähen, einen Beutel wenden, in den anderen schieben, Henkel zwischen den Lagen fixieren. Dann die obere Kante nähen und dabei die Henkel mit einnähen. Aber Stop! Wendeöffnung nicht vergessen (ca. 7 cm offen lassen), Tasche dadurch wenden und die obere Kante nochmal knapp absteppen: so wird auch die Wendeöffnung geschlossen. Fertig. Ab jetzt heißt es: schöner shoppen!


Körnerkissen mit zwei Seiten


Eine der einfachsten Übungen: Der Stoff liegt rechts auf rechts. An einer Ecke der Bettwäsche ein Rechteck ausschneiden, so spart man sich, zwei Seiten zu nähen. Die andere lange Seite absteppen. Den Stoff wenden. Zum Befüllen jeweils eine Naht zu 3/4 schließen, mit dem Trichter Reis oder Dinkel einfüllen, nicht zu viel! Dann Öffnung schließen. Das Ganze noch 2 mal. Die Außennaht dann knappkantig absteppen. Fertig. 2 Minuten in die Mikrowelle und Wärme genießen :)




Landhaus-Geschirrtuch


Hier ist der Start ganz ähnlich: Der Stoff liegt rechts auf rechts. An einer Ecke der Bettwäsche ein vorhandenes Geschirrtuch als Muster anlegen und ein etwas größeres Rechteck ausschneiden (Nahtzugabe!), so spart man sich wieder, zwei Seiten zu nähen. Die andere lange Seite absteppen. Den Stoff wenden. Die obere Kante nach innen umbügeln, als Henkel ein Stoffband (vielleicht sogar aus diesem Stoff hergestellt?) zwischen die Lagen legen. Dann die obere Kante nähen und dabei den Henkel mit einnähen. Jetzt alle Kanten zuerst schmal und dann nochmal breit absteppen, um die Lagen besser zu verbinden. Der Stoff eignet sich bestens zum Geschirrtrocknen!





Japanischer Beutel“ mit Schwedenmuster


Hierfür hatte ich noch das Schnittmuster (Anleitung und Schnittmuster-pdf von DIY-Eule), so dass es deshalb wenig aufwändig war. Ist aber auch ganz einfach. Vom Prinzip her wie die Wendetasche, nur mit breiterem Boden und schmalerer Öffnung, plus Zuziehbändern. Damit der Beutel Stand hat, habe ich eine Stoffseite mit Volumenflies verstärkt. Und als Bänder habe ich Schnürsenkel genommen, die Enden verknotet, abgeschnitten und ausgefranst.

Nun ist immer noch etwas übrig von dem Stoff, von meiner Nähenergie aber nicht mehr.

Für den nächsten Energieschub habe ich aber noch diverse andere kleine „Wende-Projekte“ auf dem Plan:

  • Wachstuch als Frischhaltefolie-Ersatz (mit aufgebügeltem Bienenwachs)

  • Utensilo für Brot o.ä.

  • Kopf- bzw. Halstuch

  • Kissenhülle

  • Rolltäschchen für Stifte, Pinsel o.ä.

  • Wimpelkette

  • Topflappen

Auch möglich für eine Verwertung (sofern noch genug Stoff vorhanden ist):

  • Wende-Tischdecke

  • Wende-Rock, -Kleid oder -Bluse

Und natürlich kann man den Stoff auch solo verarbeiten, bspw. für Handyputzi, Handycouch o.ä. Außerdem würde sich der Stoff auch hervorragend eignen, um mal die Decoupage-Technik (das dauerhafte Aufkleben auf feste Materialien) ausprobieren, z.B. zum:

  • Möbel aufhübschen

  • Dosen und andere Gefäße bekleben

  • Grußkarten herstellen

Aber das vielleicht nächstes Mal.

Mal sehen, welcher Stoffrest mich demnächst hinterrücks überwältigt...


Brauchst du genauere Anleitungen? Dann lass es mich wissen, ich helfe gerne. Oder hast du selbst charmante kleine Dinge aus alten Stoffen vernäht? Dann zeig doch mal. Ich freue mich immer über Ideen!